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Edwards Audio TT5a – Testbericht

Fazit

Mit neuem Tonarm und neuer Zarge geht der TT5a zum Preis des alten Modells ins Rennen – und hat damit schon gewonnen, klanglich setzt er nochmal einen drauf!

Vielschichtig

Evolution statt Revolution muss das Motto bei der Entwicklung von Plattenspielern lauten – schließlich ist die zugrundeliegende Technik schon gut 100 Jahre alt. Aber manchmal sind es die kleinen Ideen, die so wertvoll sind.

Talk Electronics mit seiner Audio-Marke Edwards hat sich in den letzten Jahren sehr verdient gemacht um das Thema „Viel Klang für wenig Geld“. Neben den vorzüglichen kleinen Verstärkerlein haben es mir vor allem die schicken Plattenspieler angetan, die sich in der Preisklasse bis 1000 Euro mit einigen Modellen einen Ausnahmestatus erarbeitet haben. Der TT5a ist das neueste Modell dieser Plattenspieler- Serie. Das Vorgängermodell TT5 haben wir vor einen Jahr etwa hier vorgestellt – man kann sich also vorstellen, dass es bei Edwards Audio und dem namensgebenden Entwickler zügig voran geht, auch in diesen schwierigen Zeiten.

Stefan Becker, der für den deutschsprachigen Markt zuständige Importeur, hat uns das neue Modell quasi noch warm aus den Händen des Zolls persönlich zum Test vorbeigebracht. Ein ausführliches Interview mit Stefan Becker finden Sie übrigens auf den Seiten 62 und 63: Wie unseren langjährigen Lesern bekannt ist, stammten einige Baugruppen der Edwards-Audio-Plattenspieler aus dem Rega-Baukasten.

Diese OEM-Teile sind im Laufe der Jahre immer weniger geworden, so dass heute die Produktion so gut wie komplett in eigenen Händen ist. Genau genommen ist es inzwischen eher umgekehrt: Talk Electronics fertigt Teile und Schaltungen für einige renommierte andere Hersteller.

Immer noch relativ neu ist der Edwards-eigene Einpunkt-Tonarm, der Ein interessantes Detail zur Preisgestaltung: Der Tonarm wird auch als Einzelprodukt verkauft, mit einem Verkaufspreis von 499 Euro. Der TT5a mit diesem Arm kostet 799 Euro – eine ziemlich gute Kalkulation für den Kunden, wenn man mich fragt. Wie bei inzwischen allen Edwards-Plattenspielern üblich gibt es eine hübsch geformte Zarge – die eingefrästen Rundung verleiht dem flach bauenden Laufwerk eine ausgesprochen elegante Linie. Ganz neu ist hier die letztes Jahr eingeführte Mehrschicht-Bauweise und das Ausgangsmaterial Acryl, aus dem die insgesamt 5 Schichten aufgebaut sind – natürlich nicht ohne dämpfende Zwischenlagen.

Ich finde, das macht den TT5a gegenüber dem direkten Vorgänger noch einmal deutlich wertiger – die Zarge sieht „wichtiger“ aus, und natürlich hat die Bauweise bei der analogen Abtastung ein paar handfeste Vorteile in Sachen Resonanzverhalten. Das Gesamtgewicht von fünfeinhalb Kilo ist geblieben, ebenso wie der ebenfalls von Edwards selbst gefertigte Acrylteller.

Durch die gegenüber einem massiven Metall- Laufwerk recht geringe Masse ist so ein Laufwerk grundsätzlich empfindlicher gegenüber Schwingungen aller Art, also hat man dem TT5a recht massive und weiche Stellfüße spendiert, in denen sich Vibrationen totlaufen. Eine Haube gegen Luftschall gibt es nicht, dafür hat man dem TT5a eine maßgeschneiderte Abdeckung spendiert, die im Ruhezustand vor Staub und unvorsichtigen Zugriffen auf die Nadel schützt.

Der TT5a ist trotz der mehrschichtigen Zarge ein waschechter „Brettspieler“, das heißt Motor, Tellerlager und Tonarm sind alle auf einer Ebene montiert, was eine höhere Gefahr einer Übertragung von Motorvibrationen auf Teile der Signalkette erhöht. Um das zu vermeiden, hat man den Antrieb in einer dämpfenden Halterung eingebaut. Der Antrieb ist ein 24-Volt-Gleichstrommotor, der die Upgrade-Option einer externen Motorsteuerung mit elektronisch wählbaren Geschwindigkeiten bietet. Die Übertragung der Antriebskraft auf den Subteller erfolgt über den sogenannten „Big Belter“, einen etwas kräftigeren Riemen, der schwingungsfrei agiert.

Die Lagerbuchse inmitten der Zarge besteht aus Messing. Am Lagerboden findet sich eine Keramikkugel, auf der sich die Stahlachse des Subtellers dreht, der hoch präzise aus Aluminium gefertigt wird. Oben auf dem Subteller liegt der eigentliche Acrylteller.

Der Tonarm selbst sieht sehr solide aus – und das ist er auch: Die A5 genannte Version des Edwards-Einpunkters ist eine durch und durch pragmatische Konstruktion mit Aluminium-Rohr, die einfach gut funktioniert. Tatsächlich kann man nach der einmaligen Montage eines Tonabnehmers und dem Einstellen der Lateralbalance eigentlich auch vergessen, dass man es hier mit einem Einpunkter zu tun hat, so völlig einfach und unkompliziert ist das Handling. Wie gesagt: Man ist im Hause Edwards zu Recht so überzeugt von dem Produkt, dass er zu einem Preis von fast 500 Euro separat verkauft wird, das Modell mit Carbon-Armrohr sogar für 850 Euro. Und damit ist man immer noch auf der günstigen Seite – es würde mich daher auch nicht wundern, wenn man die Edwards-Arme demnächst auf einigen Modellen des Mitbewerbs sehen würde.

Zu unserem Test hat uns Stefan Becker einen Tonabnehmer aus dem Hause van den Hul montiert, eine Sache, die angesichts der doch recht unterschiedlichen Preisklassen in freier Wildbahn eher nicht passieren wird – obwohl: Von der Qualität her ist der TT5a durchaus in der Lage, auch ein solches System angemessen zu führen.

Ein Aspekt eines solchen Spitzentonabnehmers wird gerne mit den Worten hochpräzise und analytisch umschrieben. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit, denn der TT5a bietet mit der neuen Zarge ein durchaus kräftiges Fundament im Bass und einen warmen und stabilen Grundtonbereich.

Damit verbindet er die auf seine Rega-Gene zurückgreifende Schnelligkeit und Trockenheit mit der Kraft und Substanz von deutlich schwereren (und teureren) Laufwerks-Tonarm-Kombinationen.

Timing und Rhythmus passen auf den Punkt – der Antrieb tut seinen Teil dazu. Noch ein bisschen besser geht es dann mit der externen Motorsteuerung, die noch etwas mehr Ruhe und Übersicht ins ohnehin schon mehr als überzeugende Klangbild bringt.

Mit Popmusik tut sich der Edwards Audio leicht: Profunde Bässe und eine transparente Hochtonwiedergabe ergänzen den farbenfrohen Mitteltonbereich und lassen das elegante Laufwerk deutlich „größer klingen“. In Sachen Klassik stehen Detailtreue und die ganz große Geste gleichberechtigt nebeneinander: Bei Orchestern wird die schiere Wucht und Dynamik des großen Klangkörpers perfekt reproduziert – gleichzeitig bietet der TT5a durch seine Neutralität dem Hörer die Möglichkeit, sich auch auf kleinere Details, ja, sogar einzelne Musiker zu kontrollieren – immer vorausgesetzt natürlich, dass die Aufnahme das auch hergibt.

Das funktioniert aber auch mit einem deutlich günstigeren Tonabnehmer, zum Beispiel mit dem hauseigenen C-100, das uns Analogfreunden als altes Schlachtross im Beriech MM-Tonabnehmer sehr bekannt vorkommt. Uns siehe da: Zwar sind hier die Ekcen und Kanten etwas runder und nicht so klar definiert, aber der souveräne und sehr erwachsene Grundcharakter des TT51 bleibt voll und ganz erhalten. Es muss also nicht immer gleich alles weit in den vierstelligen Bereich gehen – schon für unter 1.000 Euro Komplettpreis kann man mit dem richtigen Dreher High-End-Luft schnuppern!


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